Wann ist ein Lockdown eigentlich hart?

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Zugegeben: bei den folgenden Zeilen komme ich mir ein wenig egoistisch vor. Und trotzdem beschäftigt es mich seit einigen Tagen, weshalb mir der aktuelle „harte“ Lockdown weitaus „weicher“ vorkommt als der Lockdown im März.

Ich habe Verständnis für jeden, der aktuell um seine Existenz kämpft und vieles versucht, um seinen Laden (oder zumindest sein Weihnachtsgeschäft) zu retten. Was mir jedoch zunehmend fehlt, ist das Verständnis für das drölfte Hintertürchen, das nur allzu gern genutzt wird, um die Auswirkungen des Lockdowns zu umgehen.

Douglas Chefin „verwandelt“ ihre Filialen in Drogerien

Die Grenze des guten Geschmacks wurde für mich schon zum Beginn der Woche erreicht als verschiedene Douglas Filialen auf Anweisung von „ganz oben“ zu Drogerien umfunktioniert werden sollten. Schlagartig kamen mir die Szenarien in den Kopf, bei denen man sich – damals als Teenager – vorgenommen hatte, Mutti bei Douglas ein schönes Weihnachtsgeschenk zu kaufen und von den Verkäuferinnen – zumindest gefühlt – so angeschaut wurde, als würde man sich „das alles eh nicht leisten können“.

Dass Dreistigkeit (oder das Rückbesinnen darauf, vielleicht doch nur das „Geschäft des kleinen Mannes“ sein zu wollen) jedoch nicht immer siegt, war ein paar Tage später am Zurückrudern der Verantwortlichen ersichtlich. Die Folge: Douglas schließt für die Zeit des Lockdowns.

Gärtnereien und Bastelläden – täglicher Bedarf?

Ich liebe Blumen! Aber brauche ich sie auch während eines Lockdowns? Ich glaube nicht. Und auch wenn etliche Schnittblumen durch das Schließen der Filialen vielleicht genauso schnell das Zeitliche segnen würden, wie mein regelmäßig gekaufter Basilikum auf der Fensterbank, frage ich mich natürlich auch: Weshalb dürfen Gärtnereien in Zeiten von Pandemie und Co. öffnen?

Auch der Bastelladen in unserer Straße öffnet. Toll für alle Kinder, die die Vorweihnachtszeit kreativ nutzen möchten. Toll aber auch für alle Viren, die sich hier besonders wohlfühlen.

Kulturveranstaltungen, Tattoostudios und einige (berechtigte) Fragen

Irgendwie ist es doch wie damals im Kindergarten, als „der blöde Junge aus der blauen Gruppe“ mehr durfte als man selbst. Eine Sonderregelung zieht immer Fragen wie „Und ich?“ nach sich. Weshalb dürfen Gärtnereien öffnen, wenn Tattoostudios, in denen immer wieder aufs Neue desinfiziert wird, geschlossen bleiben müssen? Weshalb darf ich mich in eine enge Bahn quetschen, wenn es mir gleichzeitig nicht erlaubt ist, mir in einem Kaufhaus einen Pulli zu kaufen?

Vielleicht liegt gerade hierin das Problem der Politik: dass sie manche Dinge nicht mehr erklären kann, sich aber jeder ein Orakel wünscht, das die Richtung vorgibt.

Seien wir ehrlich: das Vertrauen in die Politiker und in die Verlässlichkeit ihrer Entscheidungen war schon größer. Eine nicht-optimale Situation, die sich auch in der Impfbereitschaft der Bevölkerung widerspiegeln dürfte.

Liebst,

Conny

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