Weniger Faust, mehr Zweifel: Wonder Man und die Krise des Superhelden

von | Feb. 2, 2026

Wonder Man Staffel 1/ Foto: Disney Presseservice

Wonder Man Staffel 1/ Foto: Disney Presseservice

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Im Jahr 2026 erweitert Disney das Marvel-Universum um eine Figur, bei der man sich erst fragt: Brauchen wir das wirklich noch? – und dann merkt: Oh. Das ist… anders. Wonder Man heißt der Charakter und bringt mit Simon einen Helden auf den Bildschirm, der weniger Weltretter und mehr wandelnde Identitätskrise ist.

Simon ist kein klassischer Marvel-Held, der morgens aufsteht und abends Aliens verprügelt. Er ist ein Mann zwischen zwei Welten: übermenschliche Kräfte auf der einen Seite, ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Anerkennung auf der anderen. Disney nutzt diese Zerrissenheit, um das Thema “Ruhm” neu zu verhandeln – und zwar nicht nur im Superheldenkontext, sondern mitten im Scheinwerferlicht der Unterhaltungsindustrie. Denn Wonder Man will nicht nur retten, er will gesehen werden. Und genau da beginnt das Problem.

Statt Daueraction und Explosionen setzt Wonder Man auffällig oft auf Gespräche. Lange Gespräche. Über Erwartungen, Selbstzweifel, Ego und Verantwortung. Wer hier auf Nonstop-Faustkämpfe hofft, wird schnell merken: Diese Serie/ dieser Film will lieber reden als prügeln. Visuell bleibt Disney zwar gewohnt hochwertig und modern, aber Effekte sind hier eher Begleitmusik als Hauptattraktion. Der eigentliche Fokus liegt klar auf der inneren Reise des Protagonisten – und die ist mindestens so anstrengend für Simon wie fürs Publikum.

Thematisch geht es um die große Marvel-Frage: Was macht Macht mit einem Menschen? Und noch wichtiger: Was macht Öffentlichkeit mit jemandem, der sich selbst nicht ganz sicher ist, wer er sein will? Wonder Man stolpert dabei ständig über seine eigenen Ansprüche, über fremde Erwartungen und über sein Ego. Humor blitzt immer wieder auf, oft trocken, manchmal fast selbstironisch – als wüsste die Produktion genau, dass sie hier nicht jeden abholen wird.

Disney schlägt mit Wonder Man bewusst eine Brücke zwischen klassischem Superheldenkino und introspektivem Charakterdrama. Das Ergebnis fühlt sich weniger nach Blockbuster und mehr nach popkultureller Selbstreflexion an.

Fans, die Marvel gerade wegen seiner lauten, klaren Heldenbilder lieben, könnten sich hier verloren fühlen. Wer hingegen Figuren mag, die sich selbst im Weg stehen, bekommt reichlich Stoff zum Nachdenken.

Fazit:

Wer lange Dialoge, innere Konflikte und Superhelden mit Selbstzweifeln liebt, wird an Wonder Man seine Freude haben. Wer Marvel einschaltet, um kurz abzuschalten, sollte vielleicht lieber weiterklicken.

 

 

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