Wenn die Düsseldorfer Altstadt bebt, der Asphalt klebt und selbst der Rhein kurz innehält, dann ist klar: In Düsseldorf ist Rosenmontag. Rund 700.000 Jecken säumten laut Comitee Düsseldorfer Carneval e. V. (CC) die Straßen der Landeshauptstadt und feierten ihren „Zoch“ mit einem dreifachen Helau, das bis nach Oberkassel schallte.
D’r Zoch kütt!
Um 12.24 Uhr setzte sich der närrische Lindwurm an der Corneliusstraße in Bewegung. Gegen 13.30 Uhr bog er auf den Marktplatz ein – Gänsehautmoment inklusive. Vom Rathausbalkon aus verfolgte auch Oberbürgermeister Stephan Keller das Spektakel – stilecht verkleidet als Vater Rhein.
Rund 11.000 Teilnehmer, 124 Wagen, 116 Fußtruppen, 21 Musikkapellen und sechs Musikwagen verwandelten die Innenstadt in ein Tollhaus mit Taktgefühl. Drei Stunden dauerte der Vorbeimarsch, tonnenweise Kamelle regneten auf die Menge herab, während mehrere hundert Polizisten für Sicherheit sorgten.
„Mer bliewe bunt – ejal wat kütt!“
Unter der Regentschaft des Prinzenpaares Venetia Nicole (Nicole Nothen) und Prinz Marcus I. (Marcus Hülscher) stand der Zug in diesem Jahr unter dem Motto „Mer bliewe bunt – ejal wat kütt!“. Und bunt wurde es – politisch, provokant, pointiert.
Jacques Tilly sticht wieder zu
Die international gefeierten Mottowagen stammen auch diesmal aus der Werkstatt von Jacques Tilly. Der Wagenbaumeister nahm kein Blatt vor den Mund – und schon gar kein diplomatisches.
So bekam der ehemalige US-Präsident Donald Trump sein Fett weg, ebenso wie Russlands Staatschef Wladimir Putin. Letzterer wurde mit großem Schwert gezeigt, wie er den Hoppeditz aufspießt – der allerdings lachend mit der Narrenpritsche zurückschlägt. Düsseldorfer Antwort auf Moskauer Humorlosigkeit: Satire bleibt frei.
Auch der Fall um den Investmentbanker Jeffrey Epstein wurde drastisch ins Bild gesetzt – als gehörnte Teufelsfigur mit unmissverständlicher Botschaft: „Alle schützen die Täter! Alle ignorieren die Opfer!“
Weitere Wagen widmeten sich dem Krieg in der Ukraine, steigenden Mieten, Rentensorgen, Handysucht bei Kindern und der AfD. Politischer Kommentar auf Rädern – wie man ihn nur in Düsseldorf bekommt.
Ordnungshüter geben ihr bestes
Während die Jecken schunkelten, zählte das Ordnungsamt: 16 Sperrstellen überwachten das Glasverbot in der Altstadt. Die meisten Besucher zeigten sich einsichtig, Glas wurde gegen biologisch abbaubare Becher getauscht.
Bis 15 Uhr gab es 493 Jugendschutzkontrollen. 147 Mal wurde illegaler Alkohol freiwillig vernichtet, 108 Minderjährige beim Rauchen erwischt. Drei hilflose Jugendliche mussten betreut werden.
Auch das Toilettenkonzept zeigte Wirkung: Nur ein Fall von Wildpinkeln bis 15 Uhr – macht insgesamt 109 an den Karnevalstagen. Bußgeld: 150 Euro plus Gebühren. Helau, das tut weh.
Beim Thema Falschparker wurden 61 Fahrzeuge beanstandet, 58 abgeschleppt. Wer am Zugweg stand, stand falsch.
400 Retter im Einsatz
Die Feuerwehr rückte mit rund 230 Kräften an, unterstützt von etwa 170 Ehrenamtlichen von DRK, Johannitern, Maltesern und ASB. Bis 15 Uhr zählte der Rettungsdienst 155 Einsätze im Stadtgebiet, sieben Hilfeleistungen direkt am Zug. Meist kleinere Blessuren oder Kreislaufprobleme nach zu viel Flüssigkarneval. Fünf Personen mussten ins Krankenhaus. Immerhin: Keine Verletzten durch Glasscherben.
Närrischer Zapfenstreich
Am Dienstagabend folgt der feierliche Kehraus: Beim „Närrischen Zapfenstreich“ am 17. Februar verabschiedet Oberbürgermeister Stephan Keller das Prinzenpaar offiziell auf dem Marktplatz. Beginn ist gegen 19 Uhr.


