Mit „Allegro Pastell“ taucht Steven Preisner dieses Jahr auf der Berlinale auf – und zwar nicht leise im Hintergrund, sondern als jene Figur, die plötzlich alles verschiebt. In der Verfilmung von Leif Randts gleichnamigem Roman, inszeniert von Anna Roller und gecastet von Suse Marquardt, steht er an der Seite von Jannis Niewöhner vor der Kamera. Seine Rolle: Bob. Alter Freund, unerwartetes Comeback, maximale Wirkung.
Bob ist Melodic-Hardcore-Fan, nüchtern unterwegs und taucht auf einer Hochzeit auf, wo man ihn eigentlich schon in der Erinnerungskiste abgelegt hatte. Was erst nach kurzem Besuch aussieht, entpuppt sich schnell als emotionaler Störfaktor mit Tiefgang. Bob bringt Vergangenheit mit, unausgesprochene Geschichten, alte Dynamiken – und dieses unangenehm vertraute Gefühl, Menschen zu kennen, die einem gleichzeitig nah und fremd geworden sind. Steven Preisner spielt das mit einer ruhigen, trockenen Wärme: lakonisch, humorvoll, nie laut, aber immer spürbar. Gespräche geraten ins Rutschen, Spannungen liegen plötzlich offen auf dem Tisch, und trotzdem bleibt etwas Tröstliches in der Luft.
Im Zentrum von „Allegro Pastell“ stehen Tanja, Autorin, und Jerome, Webdesigner, beide Mitte 30 und irgendwo zwischen Beziehungsroutine und Lebensentwurf. Ihre Fernbeziehung balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Nähe und Distanz. Als Tanja anfängt, Zukunft konkreter zu denken, gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken. Der Film beobachtet das mit feinem Humor und einem sehr genauen Blick auf eine Generation, die alles kann, alles weiß – und trotzdem müde wirkt vom Erwachsenwerden.
In diesem Gefüge funktioniert Bob wie ein Katalysator. Er erinnert daran, wer man einmal war, bevor alles kompliziert wurde. An Freundschaften, die sich verändert haben, aber nie ganz verschwinden. Steven Preisner macht diese Ambivalenz fühlbar, ohne sie auszustellen oder zu erklären – genau darin liegt die Stärke seiner Figur.
„Allegro Pastell“ feiert Premiere in der Panorama-Sektion der Berlinale – jenem Ort für zeitgenössisches, gesellschaftlich relevantes und eigenwilliges Kino. Panorama gilt seit Jahren als Seismograf für neue filmische Stimmen und aktuelle Themen. Und Bob? Der bleibt hängen. Wie alte Freunde eben.


