Zwischen Minze, Tinte und VR-Brille zeigt die Grüne Woche, wie nah Afrika sein kann – wenn man bereit ist, hinzuschmecken, hinzusehen und hinzuhören.
Schon beim ersten Schritt in Halle 18 liegt etwas in der Luft: Minze. Und Erwartung. Zwölf bunt verzierte Teegläser funkeln wie kleine Versprechen auf einem Tisch, der mehr ist als Messe-Mobiliar. Brahim Saki hat Platz genommen, lächelt souverän und gießt – aus beachtlicher Höhe. Kein Zufall, sondern Tradition. Der Tee soll atmen, Schaum bilden, Charakter zeigen. Wie sein Gastgeber.
Normalerweise arbeitet Saki in der Kulturabteilung der marokkanischen Botschaft. Auf der Grünen Woche wird er für zehn Tage zum Zeremonienmeister der Entschleunigung. Jeden Vormittag zwischen 10.00 und 10.30 Uhr versammelt sich ein kleines Publikum, das plötzlich sehr still wird. Tee trinken ist hier kein Nebenbei, sondern ein Akt des Respekts. In Marokko, erzählt Saki, trinkt man ihn morgens und nachmittags. Und heute? Heute auch in Berlin. Mit einem Augenzwinkern gesteht er, dass er sich längst auch mit Kaffee angefreundet hat. Kulturen sind eben lernfähig.
Was wie ein Getränk beginnt, wird schnell zum Gespräch. Manche Besucher kennen ihn noch vom letzten Jahr, andere kommen ins Plaudern, weil sie selbst arabische Wurzeln haben. Austausch passiert hier beiläufig – zwischen Gläsern, Lächeln und höflichen Gesten. Und ein paar Schritte weiter wird aus Sprache Kunst.
Vor dem Pult von Kalligrafie-Künstler Abdelaziz Bachari bildet sich eine Schlange. Namen werden aufgeschrieben, ins Arabische übersetzt und in schwungvolle Linien verwandelt. Jeder Buchstabe scheint zu tanzen. Selbst Bacharis schwarzer Mantel erzählt eine Geschichte: In goldenen Lettern steht dort ein Satz, der hängen bleibt – „Wenn mein Ursprung aus Erde ist, dann sind alle, die auf der Erde sind, meine Verwandten.“ Pathos? Vielleicht. Aber eines mit Haltung.


