Flüssiges Gold war gestern: Stiftung Warentest entlarvt Olivenöl-Blender

von | Jan. 31, 2026

Ranzig, teuer, enttäuschend/ Foto: Adobe Stock - fahrwasser

Ranzig, teuer, enttäuschend/ Foto: Adobe Stock - fahrwasser

niveau-texter

Gutes Olivenöl ist inzwischen so selten wie Stil im Reality-TV. Die Stiftung Warentest hat 25 Olivenöle unter die Lupe genommen – und serviert uns statt mediterraner Eleganz vor allem bittere Enttäuschung. Das Ergebnis: nur vier Öle schaffen ein „Gut“, acht fallen gnadenlos mit Mangelhaft durch. Mitten drin im Öl-Drama: ausgerechnet zwei Bestseller von Aldi. Autsch.

Der Grund für das Desaster? Fehlende Finesse im Geschmack und teils bedenkliche Schadstoffe. Statt fruchtig-grünem Aroma gibt’s ranzig, modrig und stichig-schlammig – Worte, die man eher aus dem Klärwerk als aus der Küche kennt. Der traurige Trend bestätigt sich: Spitzenqualität wird zur Ausnahme, Mittelmaß zur neuen Normalität.

Getestet wurden vor allem Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ – zumindest laut Etikett. Im Einkaufswagen landeten Produkte aus Supermärkten, Discountern und Bioläden, darunter große Namen wie Bertolli, Alnatura und Mitos sowie Eigenmarken von Aldi, Netto, Rossmann und Rewe. Preislich reicht die Spanne von erstaunlich günstigen 7 Euro bis zu schmerzhaften 54 Euro pro Liter. Spoiler: Teuer heißt nicht automatisch gut.

Im Labor wurde nichts dem Zufall überlassen: Geschmack, Geruch, Schadstoffe, mögliche Verfälschungen und gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie Polyphenole mussten sich dem Urteil der Experten stellen.

„Der deutsche Olivenölmarkt gilt als besonders streng – doch was wir in den Regalen finden, ist immer öfter nur noch Mittelmaß“, sagt Dr. Jochen Wettach, Testleiter bei Stiftung Warentest. Acht Öle seien entweder sensorisch so fehlerhaft, dass sie den Titel „nativ extra“ gar nicht verdienen – Stichwort ranzig und schlammig – oder massiv mit Schadstoffen belastet.

Aldi enttäuscht gleich doppelt.
Die Eigenmarken Bellasan und Bio fallen komplett durch. Beide schmecken ranzig und stichig-schlammig, das Bio-Öl legt mit modrigem Beigeschmack noch eine Schippe drauf. Ursache: Oliven, die schon vor dem Pressen zu gären beginnen, oder zu viel Sauerstoffkontakt. Laut EU-Verordnung ein absolutes No-Go für „nativ extra“. Auch die Öle von Netto Marken-Discount und Ybarra patzen beim Geschmack.

Doch damit nicht genug.
Richtig heikel wird es bei den Schadstoffen. In vier Produkten wurden problematische Mineralöle vom Typ MOAH entdeckt – Stoffe, die als möglicherweise krebserregend gelten. Die Öle von Sterna 1821, Threpsi und Ybarra sind so stark belastet, dass EU-Behörden sogar eine Marktentnahme empfehlen würden. Das Bio-Olivenöl EnerBio von Rossmann glänzt ebenfalls negativ: eine extrem erhöhte Belastung mit dem Weichmacher DBP, der als fortpflanzungsschädigend gilt.

„Solche Belastungen sind absolut vermeidbar“, stellt Wettach klar. Immerhin ein kleiner Trost: Akut gesundheitsgefährdend sei keines der getesteten Öle.

Ein kleiner Lichtblick im Öl-Sumpf:
Die Gehalte an gesundheitsfördernden Polyphenolen sind wieder leicht gestiegen. Alle getesteten Öle enthalten genug dieser sekundären Pflanzenstoffe, die unsere Zellen schützen. Zwei Esslöffel täglich reichen – vorausgesetzt, man erwischt eines der besseren Exemplare.

Der komplette Test erscheint in der Februar-Ausgabe 2026 von Stiftung Warentest und ist online abrufbar. Bis dahin gilt: Beim Olivenöl lieber zweimal riechen als blind vertrauen. 

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner