Schumannfest 2026: Wenn Lieder von Heimat und Fernweh erzählen

von | März 8, 2026

Tonhalle Düsseldorf/ Foto: niveau-klatsch

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Ab dem 6. Juni 2026 liegt über Düsseldorf wieder ein Hauch von Romantik: Das Schumannfest beginnt. In rund 40 Veranstaltungen an unterschiedlichsten Spielorten wird die Musik von Robert und Clara Schumann sowie von Komponist*innen aus ihrem Umfeld und aus späteren Generationen gefeiert. Die Stadt verwandelt sich in eine „Liedstadt“, die sich mit offenen Ohren entdecken lässt – vom Konzertsaal hinaus auf Straßen, Brücken, Plätze und ans Rheinufer. Das Festival fragt danach, wie Musik dabei helfen kann, Heimat zu bewahren, zu hinterfragen oder neu zu erfinden. Intime Liederabende treffen auf große Symphonik, Pop-up-Konzerte in der Altstadt auf lebendige Sessions im Jazzclub, dazu eine Gruselnacht in der Kirche und Skyline-Konzerte hoch über den Dächern der Stadt – ein Programm so vielfältig, dass man am liebsten kein Konzert verpassen möchte.

Das Eröffnungskonzert am 6. Juni in der Tonhalle verspricht ein besonderes Familientreffen: Die Tenöre Christoph und Julian Prégardien, Vater und Sohn, präsentieren einzeln und gemeinsam Heine-Vertonungen von Robert und Clara Schumann sowie ausgewählte Schubert-Lieder zum Thema „Heimaten“. Am Klavier begleitet Michael Gees, der schon mit Christoph Prégardien musiziert hat, als dessen Sohn Julian noch ein Neugeborenes war.

Vom 19. bis 21. Juni lädt das „Liedstadt-Wochenende“ dazu ein, das Kunstlied unmittelbar und offen zu erleben. Ausgangspunkt des Projekts ist Schumanns Eichendorff-Liederkreis. Zehn Künstlerinnen – darunter Sopranistin Valerie Eickhoff, die Pianistinnen Anna Gebhardt und Elenora Pertz, das Wiener Ensemble The Erlkings sowie Julian Prégardien als künstlerischer Leiter – bilden für mehrere Tage ein gemeinsames Kollektiv. Sie wohnen tatsächlich in einer WG, teilen Alltag und künstlerische Aufgaben und entwickeln zusammen Konzerte, Workshops mit Schülerinnen und interaktive Formate. Das Publikum kann sie bei Pop-up-Konzerten in der Fußgängerzone begleiten, an Gesprächsrunden teilnehmen oder sich in tägliche Live-Schalten aus der WG einklinken und so den Verlauf des Projekts mitgestalten. Ein besonders schauriger Höhepunkt wird die „Mordnacht“ am 20. Juni in der Bergerkirche: Dort erklingen die düstersten Lieder und Texte der Romantik, moderiert und gelesen von Mona Ameziane.

Auch die Jazz-Schmiede ist wieder Teil des Festivals. Am 13. Juni überträgt Saxofonist Jörg Kaufmann gemeinsam mit Vibrafonist Mathias Haus und Bassist Conrad Noll Schumanns „Kinderszenen“ in die intime Klangwelt des Jazz. Am 14. Juni feiern die jungen britischen Musiker Eleanor Grant (Gesang & Kontrabass) und Gus McQuade (Gitarre) ihr Festland-Europadebüt mit einem Programm von John Dowland bis Joni Mitchell.

In der Neanderkirche steht am 18. Juni eine der berühmtesten Dreiecksbeziehungen der Musikgeschichte im Mittelpunkt: Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms. Das Calmus Ensemble verbindet Auszüge aus ihren Briefen mit Musik – von Volksliedern bis hin zu Pop-Arrangements.

Das Palais Wittgenstein an der Bilker Straße, nur wenige Schritte vom letzten gemeinsamen Wohnhaus der Schumanns entfernt, wird erneut zum Ort besonderer Kammermusik-Erlebnisse. Dort treffen sich zahlreiche renommierte und junge Künstler*innen: Das traditionsreiche Gewandhausquartett und Pianistin Charlotte Steppes stellen am 7. Juni Schumanns Klavierquintett zwei Quartetten Beethovens gegenüber. Am 8. Juni spannen Geiger Niek Baar und Pianist Ben Kim einen Bogen von Schumann über César Franck bis Anton Webern. Das Saxofonquartett Kebyart präsentiert am 9. Juni virtuose Kammermusik vom Barock bis zur Gegenwart. In der szenischen Konzertlesung „Traumbilder“ am 11. Juni treten Literatur und Musik in einen intensiven Dialog. Beim Kammermusik-Tag der Düsseldorfer Symphoniker am 13. Juni zeigen sich Orchestermitglieder in wechselnden Besetzungen. Am 15. Juni spielt Heike-Angela Moser, Ur-ur-ur-Enkelin der Schumanns, Werke von Clara und Robert auf einem historischen Hammerflügel. Das Morgenstern Trio präsentiert am 16. Juni sein Programm „Jupiter“ mit Werken von Pierre Jalbert, Mozart, Gustav Holst und Schumann. Die junge Pianistin Magdalene Ho bewegt sich am 17. Juni virtuos durch Barock, Romantik und Moderne, bevor das Wiener Motus Quartett am 22. Juni eine breite Palette romantischer Kammermusik entfaltet.

Auch am erstmals stattfindenden Art:Walk Festival der Stadt Düsseldorf beteiligen sich Tonhalle und Schumannfest. Am 18. Juni findet in der Rotunde der „Mood Walk“ statt: Über einen QR-Code wählt das Publikum Stimmungen wie fröhlich, melancholisch oder verträumt. Pianistin Gülru Ensari reagiert spontan darauf und entscheidet, welches Werk – etwa von Robert und Clara Schumann, Brahms, Schubert, John Cage oder Fazıl Say – zur jeweiligen Stimmung passt. Der „Mood Walk“ ist kein klassisches Konzert mit festem Beginn und Ende, sondern ein offenes musikalisches Spiel mit Emotionen, bei dem Zuhören, Verweilen und Weitergehen gleichermaßen möglich sind.

Den buchstäblichen Höhepunkt und Abschluss des Festivals bilden die Skyline-Konzerte am 23., 24., 25. und 26. Juni an spektakulären Orten über den Dächern der Stadt. Kurator dieser beliebten Reihe ist diesmal der international gefeierte Geiger Benjamin Schmid, der sich gleichermaßen in Klassik und Jazz zuhause fühlt. Gemeinsam mit Pianistin Ariane Haering und weiteren Kammermusikpartner*innen verwandelt er die oberen Etagen verschiedener Hochhäuser bei Sonnenuntergang in Salons in luftiger Höhe. Auf dem Programm stehen Werke von Bach über Mozart bis zu Cole Porter – als Solo, im Duo, im Klavierquartett und schließlich im Jazzquartett.

Das vollständige Programm des Schumannfests 2026 vom 6. bis 26. Juni ist auf www.tonhalle.de/schumannfest veröffentlicht. Karten für alle Konzerte und Spielorte sind online über tonhalle.de, telefonisch unter 0211-91 38 75 38 oder direkt an der Konzertkasse erhältlich.

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