Zwischen Minztee, Tinte und VR-Brille: Wie die Grüne Woche Afrika mit allen Sinnen erlebbar macht

von | Jan. 24, 2026

Brahim Saki Grüne Woche Berlin/ Foto Niveau-Klatsch

Brahim Saki Grüne Woche Berlin/ Foto Niveau-Klatsch

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Zwischen Minze, Tinte und VR-Brille zeigt die Grüne Woche, wie nah Afrika sein kann – wenn man bereit ist, hinzuschmecken, hinzusehen und hinzuhören.

Schon beim ersten Schritt in Halle 18 liegt etwas in der Luft: Minze. Und Erwartung. Zwölf bunt verzierte Teegläser funkeln wie kleine Versprechen auf einem Tisch, der mehr ist als Messe-Mobiliar. Brahim Saki hat Platz genommen, lächelt souverän und gießt – aus beachtlicher Höhe. Kein Zufall, sondern Tradition. Der Tee soll atmen, Schaum bilden, Charakter zeigen. Wie sein Gastgeber.

Normalerweise arbeitet Saki in der Kulturabteilung der marokkanischen Botschaft. Auf der Grünen Woche wird er für zehn Tage zum Zeremonienmeister der Entschleunigung. Jeden Vormittag zwischen 10.00 und 10.30 Uhr versammelt sich ein kleines Publikum, das plötzlich sehr still wird. Tee trinken ist hier kein Nebenbei, sondern ein Akt des Respekts. In Marokko, erzählt Saki, trinkt man ihn morgens und nachmittags. Und heute? Heute auch in Berlin. Mit einem Augenzwinkern gesteht er, dass er sich längst auch mit Kaffee angefreundet hat. Kulturen sind eben lernfähig.

Was wie ein Getränk beginnt, wird schnell zum Gespräch. Manche Besucher kennen ihn noch vom letzten Jahr, andere kommen ins Plaudern, weil sie selbst arabische Wurzeln haben. Austausch passiert hier beiläufig – zwischen Gläsern, Lächeln und höflichen Gesten. Und ein paar Schritte weiter wird aus Sprache Kunst.

Vor dem Pult von Kalligrafie-Künstler Abdelaziz Bachari bildet sich eine Schlange. Namen werden aufgeschrieben, ins Arabische übersetzt und in schwungvolle Linien verwandelt. Jeder Buchstabe scheint zu tanzen. Selbst Bacharis schwarzer Mantel erzählt eine Geschichte: In goldenen Lettern steht dort ein Satz, der hängen bleibt – „Wenn mein Ursprung aus Erde ist, dann sind alle, die auf der Erde sind, meine Verwandten.“ Pathos? Vielleicht. Aber eines mit Haltung.

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Diese Verbundenheit endet nicht an der Hallentür. In Halle 7.2 wird sie plötzlich sehr konkret – und sehr real. Am Stand des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht es mit VR-Brille und Kopfhörern nach Madagaskar. Kein Postkarten-Afrika, sondern eines, das unter der Klimakrise leidet.

Zebu-Züchter Jacky erzählt aus Toliara, wie er seine Herde immer weiter treiben muss, um Wasser zu finden. Dorfbewohner graben tiefe Löcher, weil der Fluss Fiherenana ausgetrocknet ist. Landwirtin Festine berichtet von drei bis vier Jahren ohne Regen. Landwirtschaft? Unmöglich. Sie gehört zu den „Migranten aus dem Süden“, vertrieben nicht von Politik, sondern vom Klima.

Das Video wirkt nach. Genau das ist gewollt. „Wir wollen sensibilisieren“, sagt Alexander Schumski vom BMZ, während er routiniert eine Kakaoschote öffnet. Rund 20 Zentimeter lang, schwer, unscheinbar – und doch Ausgangspunkt für unsere Schokolade. Die Bohnen stammen oft aus Côte d’Ivoire. Und plötzlich wird klar: Globale Zusammenhänge sind kein abstraktes Konzept, sondern landen täglich auf unserem Teller.

Zwischen Teezeremonie, Kalligrafie und virtueller Reise macht die Grüne Woche eines deutlich: Afrika ist nicht fern. Es ist Teil unseres Alltags, unserer Verantwortung – und manchmal nur einen Schluck Tee entfernt.

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